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Über das Projekt

Ob kleiner Kerzenschein oder große Projektion – Licht fasziniert und zieht uns an. Licht ist, kultur-, religionsgeschichtlich und im Alltag, nahezu immer mit positiven Assoziationen verbunden: Der Lichtblick, das Licht am Ende des Tunnels, das Licht der Aufklärung, der Hoffnung, der Erlösung, der Erkenntnis, des Fortschritts.

Frankfurt ist eine Stadt des Lichts, und das nicht nur wegen der beeindruckenden nächtlichen Skyline, der Light + Building oder der Luminale. Dass der Stadtraum wahre Licht(kunst)schätze birgt, ist jedoch mitunter auch Einheimischen wenig bekannt. Das eine oder andere mag man im Vorbeigehen-, radeln oder -fahren vielleicht schon wahrgenommen haben, aber welcher Künstler oder welches Konzept dahinterstecken, bleibt oft verborgen. Diese Lücke lieferte den Impuls, im Wintersemester 2020/21 ein kunstgeschichtliches Hauptseminar über Lichtkunst in Frankfurt an der Goethe-Universität anzubieten und gemeinsam mit den Studierenden die einzelnen Arbeiten zu erschließen.

An öffentlich zugänglichen und von außen gut einsehbaren Orten sind in den letzten 25 Jahren zahlreiche Arbeiten entstanden, die Licht als Medium und Material nutzen oder sich mit Licht im urbanen Raum auseinandersetzen. Die einzelnen Lichtkunstorte sind auf Projektseiten umfänglich beschrieben, kontextualisiert und auf einer Karte verortet.  So kann die Lichtkunst in Frankfurt individuell oder auf vorgeschlagenen Routen – „Nightwalks“ – erkundet werden. Damit möchten wir ein auch in Pandemiezeiten nachhaltiges Angebot machen, mit dem der mitunter verwaiste urbane Raum kulturell (wieder) belebt und – man entschuldige das absehbare Wortspiel – in einem neuen Licht erlebt werden kann. Für den analogen Flaneur haben wir Karte und Nightwalk-Routen zum Ausdrucken vorbereitet. Eine Soundarbeit der Frankfurter Künstlerin Nouria Behloul, die eigens für das Projekt entwickelt wird, ergänzt die visuelle und textliche Erkundung akustisch und fügt dem Erfahrungsraum Lichtkunst eine neue Dimemsion hinzu.

Bislang haben wir knapp 30 Lichtkunst-Locations geortet. Auf Hinweise, wo eine neue Arbeit entsteht oder wir eine bestehende noch nicht kennen, freuen wir uns jederzeit.

Einschalten und Ausschalten – Lichtkunst als Verantwortung

Lichtkunst ist eine der Formen künstlerischen Schaffens, die sich durch den technischen Fortschritt seit Ende des 20. Jahrhundert rasant weiterentwickelt hat. Lichtkunst ist technisch komplex und oft nur mit großem Aufwand zu realisieren.

In Frankfurt sind es öffentliche und – mehrheitlich – private Auftraggeber, die dieser Kunstform im Außenraum oder Gebäudefoyers ein Forum gegeben und damit auch die Verantwortung für Wartung und Pflege der Arbeiten eingegangen sind. Je schneller die technische Weiterentwicklung, umso größer wird das Risiko der technischen Veralterung und die Herausforderung, den vom Künstler intendierten bzw. geplanten Zustand zu erhalten. Im Rahmen unserer Recherche haben wir erfreulicherweise viele Beispiele für einen vorbildlichen Umgang mit den Lichtarbeiten gefunden. So lässt etwa das Umweltamt das Grüne Soße Denkmal genauso wie die Messe Frankfurt die Installation CROSSOVER regelmäßig warten; im ma/ro schaut die Haustechnik von Luwin Real Estate Managers regelmäßig nach dem Rechten.

Bei ortsspezifischen Arbeiten kommt hinzu, dass sich räumliche Situation im Laufe der Zeit ändern können. So ändern sich etwa städtebauliche Situationen wie um den Römerberg durch die Errichtung der Neue Altstadt, oder Gebäude kommen hinzu wie etwa am Osthafenplatz. Die mitunter deutlich sichtbaren Auswirkungen auf die Lichtinstallationen sind in den Projekttexten erfasst. Dies berührt übrigens ein Thema, das medienunabhängig bei Kunst im öffentlichen Raum intensiver zu diskutieren wäre.

Mitunter wird ein Werk auch gänzlich außer Betrieb genommen. In zwei Fällen, bei den Arbeiten von James Turrell und Magdalena Jetelová, haben wir uns entschlossen, sie dennoch in unser Projekt einzubinden, handelt es sich doch um zwei international renommierte Künstler – bei James Turrell vielleicht sogar um den bekanntesten Vertreter der Lichtkunst weltweit.

Schließlich hat auch die Pandemie ihren Tribut gefordert. Mit Lockdown und Homeoffice sind Gebäude geschlossen und Lichtkunstwerke vorübergehend ausgeschaltet worden. Wir haben dies auf den Pop-Up- Beschreibungen der Karte und in den Projekttexten vermerkt – und hoffen, diesen Hinweis/Vermerk bald wieder löschen zu können.

Dank

Projekt und Website wären ohne Unterstützer nicht möglich gewesen. Der erste Dank gebührt selbstverständlich den engagierten Studierenden unseres Seminars. Ein großes Dankeschön geht an die Künstler, Eigentümer und Gebäudebetreiber, die uns mit Genehmigungen, Bild- und Textmaterial, Gesprächen und Kontakten vor Ort geholfen haben. Ebenso dankbar sind wir den Fotografen – allen voran Wolfgang Günzel, der mit seinen Aufnahmen aus der Frankfurter Kunstszene nicht wegzudenken ist – und Galerien für ihre Unterstützung bei der Erfassung der Werke.

Schließlich danken wir der Hessischen Kulturstiftung, die dieses Projekt finanziell gefördert und damit erst zur Umsetzung gebracht hat.

 

Über Uns

Die im Frankfurter Stadtraum angesiedelten Beispiele zeitgenössischer Lichtkunst lieferten den Impuls, im Wintersemester 2020/21 ein kunstgeschichtliches Hauptseminar an der Goethe-Universität anzubieten.

Im akademischen Kontext gehört vor allem die zeitgenössische Lichtkunst noch immer zu den stiefmütterlich behandelten Themen, steht doch mitunter die Nähe zum bunten Marketingspektakel oder technisch beeindruckendem Oberflächen-Make-Up im Raum. Uns war daher wichtig, zusätzlich zur Beschreibung der Arbeiten auch eine oftmals längst überfällige kunst- und kulturgeschichtliche Verortung in Angriff zu nehmen. Bei vielen Arbeiten lassen sich sowohl Brücken zu historischen Strömungen und Positionen der (Licht)Kunst als auch zu aktuellen Fragestellungen und Entwicklungen schlagen. Klassische kunstgeschichtliche Methoden wie etwa die Ikonografie – die Deutung von Werkinhalten – können genauso fruchtbar eingebunden werden wie eher kunsttheoretische Fragen, etwa der nach der Existenz eines Werkes, wenn es ausgeschaltet ist.

Mit Blick auf die historische Entwicklung in der Auseinandersetzung mit Licht als Material des künstlerischen Schaffens sollte aufgezeigt werden, wie Gegenwartskunst an eine lange Tradition anknüpft, die sich bis auf die sakrale Kunst der Gotik zurückzuverfolgen lässt. Zur historischen Verortung der einzelnen Werke trat die Einbindung in das städtebauliche Umfeld und seinen Einfluss auf Konzeption und Wirkung des einzelnen Werkes. Ebenso wie die einzelnen Werke in Beziehung zu ihrem Umfeld stehen und von diesem mitbestimmt werden, können die einzelnen Arbeiten auch untereinander in einen Zusammenhang gestellt werden. Erlebbar soll dies über die Verortung der Werke auf einer interaktiven Karte werden, die Routen – „Nightwalks“ zum Erlaufen der Lichtkunst vorschlägt Die Ausarbeitung der Inhalte für Karte und Nightwalks weitet den akademischen Rahmen um einen deutlichen Praxisbezug aus, der kunstgeschichtliches Wissen für eine konkrete Anwendung fruchtbar macht.

Im Einzelnen war jede SeminarteilnehmerIn mit der deskriptiven und kontextuellen Erfassung eines Werkes betraut. Dabei sollte die einzelne Arbeite im Oeuvre des jeweiligen Künstlers verortet und darüber die Spannbreite bei der Ausdifferenzierung von angewandter, architektur- und auftragsgebundener Kunst deutlich werden. Die Ergebnisse der studentischen Beteiligung sind die auf dieser Website abrufbaren Projekttexte.

Lichtkunst?

Die Frage nach der Abgrenzung zwischen Lichtkunst und Lichtgestaltung begleitete die Arbeit im Seminar kontinuierlich. Eine scharfe Grenzziehung und allgemeingültige Definition sind kaum möglich, „was genau ‚Lichtkunst‘ bezeichnet, ist immer wieder neu zu diskutieren.“[1], so wie auch die Frage nach dem Wesen der Kunst nicht eindeutig und einfach zu beantworten ist. Bei jeder Arbeit galt es auszuloten, ob es sich dabei um ein (mehr oder weniger) gut gemachtes „what you see is what you get“ handelt, oder ob sich Ansätze finden, die über das konkret Sichtbare hinausgehen und das Werk in einen weiteren Zusammenhang rücken. Die Ergebnisse hierzu sind in die Projekttexte zu den einzelnen Locations eingeflossen.

Grundsätzlich kann man sich einem Kunstwerk auf zwei unterschiedlichen Wegen nähern: Man kann nach der Intention des Künstlers fragen oder danach, welche Bedeutung das Werk für den Betrachter in der individuellen Auseinandersetzung mit dem gegebenen Kontext entfaltet. Beides wirkt zusammen, setzt aber unterschiedliche Gewichtungen und Grenzen. Zeitgenössische Kunst zeichnet sich konzeptionell nun oft genau dadurch aus, dass sie offen ist und nicht nur eine „Lesart“ zulässt. Der Betrachter wird zum Co-Produzenten, der es durch seine Rezeption ergänzt, Bedeutungsfacetten aufscheinen lässt und so fertig stellt. Wie es sich für universitäre Arbeit gehört, liegt jedem Text Quellenstudium und Recherche zugrunde. Wichtig war uns jedoch, gemeinsam mit den Studierenden zu sehen und zu denken – und damit auch andere zu ermutigen, von den Arbeiten ausgehend zu sehen und zu denken.

Da die Corona-Pandemie nicht nur das Präsenzstudium, sondern ebenso Exkursionen unmöglich machte, musste im akademischen Kontext auch hierfür eine Alternative gefunden werden. Anstelle eines „Nightwalks“ mit der Seminargruppe entstand die Idee, mit der Mobilgeräte-App Actionbound kleinere Stadttouren, sogenannte „Bounds“, aufzusetzen. Sie erschließen die Lichtkunst-Locations noch einmal ganz anders als die Website. Da hier eine eher niederschwellige, spielerische Vermittlung im Vordergrund steht, wird der Praxisbezug auch um pädagogische Überlegungen bereichert. Die Bounds sind ab Ende Mai auch über diese Website zugänglich.

SeminarteilnehmerInnen: Josephine Ackerman, Lea Bligenthal, Amina Boujnah, Melina Brinkmann, Quiupu Chen, Nicole Fecher, Janna Feist, Jessica Girschik, Paula Günther, Katarina Haage, Alina Kehl, Kerstin Kessler, Zülküf Kurt, Janina Maus, Marija Scharpf, Elisa-Marie Schifferens, Oxana Tevs, Min Zeng

Seminarleiterinnen: Viola Hildebrand-Schat, Heike Sütter

 

Foto (von links  oben nach rechts unten): Quiupu Chen, Heike Sütter, Nouria Behloul, Lea Bligenthal, Min Zeng, Janna Feist, Viola Hildebrand-Schat, Janina Maus, Elisa-Marie Schifferens, Jessica Girschik, Alina Kehl, Paula Günther, Katarina Haage, Josephine Ackerman, Melina Brinkmann, Zülküf Kurt

 

[1] Julia Otto: Scheinwerfer. Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert

 

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